Geschichte

Nach oben

 

Die folgenden Informationen wurden im Wesentlichen dem Festbuch des Turnvereins entnommen, das anlässlich des 75jährigen Bestehens des Vereins im Jahr 1994 herausgegeben worden ist sowie der Festschrift zum 80jährigen Bestehen im Jahr 1999.

Inhalt:

 

 

1. Die Turnbewegung

Die Turnbewegung selbst begann mit "Turnvater Jahn" schon im Jahr 1811, als er auf der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz einrichtete.


Der erste Turnplatz auf der Berliner Hasenheide

Aus heutiger Sicht ist Friedrich Ludwig Jahn, der 1778 geboren wurde, nur schwer einzuordnen. Jahn und seine Anhänger waren von der französischen Revolution geprägt und traten für einen Deutschen Nationalstaat ein. Sie wollten mündige Staatsbürger erziehen, wehrtüchtige Männer heranbilden und Brauchtum pflegen, aber auch Adelsprivilegien, Knechtschaft und Unterdrückung abschaffen.
Mit diesen Zielen musste die Turnbewegung mit der Obrigkeit in Konflikt geraten. 
So war das Turnen in Preußen von 1820 bis 1842 verboten. Zu erneuten Repressalien kam es dann wieder um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg 1914.

 

Seitenanfang

 

2. Die ersten Jahre des Vereins

Der Turnverein Rainrod wurde am 19. Oktober 1919 gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Lehrer Schmier gewählt, der der Versammlung feierlich zurief "Vivat, Crescat, floreat", der Verein solle leben, wachsen und gedeihen. Neben einem laufenden Vereinsbeitrag in Höhe von 40 Pfennigen für aktive Mitglieder und 30 Pfennigen für Passive wurde ein einmaliges Eintrittsgeld von 3 Mark erhoben.
Anfangs wurde Disziplin in den Übungsstunden besonders groß geschrieben. Wer sich nicht unterordnete oder negativ auffiel, musste Strafe zahlen oder wurde vom Turnbetrieb ausgeschlossen.

Kurz nach der Vereinsgründung bereiteten Wirtschaftskrise und Geldentwertung große Probleme, so dass der Beitrag an den übergeordneten Verband, den Turngau, nicht mehr gezahlt werden konnte. 1926 wurde der Verein deswegen schließlich aus dem Turngau ausgeschlossen. Zusätzliche Einnahmen zur Anschaffung der notwendigen Turngeräte verschaffte man sich unter anderem durch Theaterspielen.
Trotz der schwierigen Zeiten wurden neue Ideen entwickelt: Ergänzend zum turnerischen Angebot wurde 1920 ein Spielmannszug gegründet und 1924 eine Gesangsabteilung (obwohl es den Männergesangverein schon seit 1879 gab). Diese Aktivitäten wurden später wieder eingestellt. Erst 1927 öffnete sich der Verein auch Jugendlichen, die nun mitturnen konnten.

Rainröder Turner des Jahres 1926
(links: Das ehemalige Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm Feick)

 

Seitenanfang

 

3. Der Nationalsozialismus

Auch im Turnverein wurden während der Nazi-Herrschaft demokratische Strukturen abgeschafft. Am 24 Mai 1933 wurde getreu der neuen Sprachregelung aus dem Vereinsvorsitzenden der "Vereinsführer" und aus dem Vorstand der "Führerrat". Der Schriftführer notierte verbittert, er sei "... als Schriftwart ausgeschaltet worden ...". Bereits im November 1933 erfolgte im Rahmen der "Gleichschaltung" der zwangsweise Zusammenschluß von Männergesangverein und Turnverein. Schon 1936 war zu erkennen, dass die neuen Strukturen das Vereinsleben zugrundegerichtet hatten. Die Auflösung der Turnabteilung stand im Raum. Die letzten Eintragungen im Protokollbuch sind schließlich unter dem 8. Januar 1938 zu finden. Am 1. September begann mit Hitlers Angriff auf Polen der 2. Weltkrieg.

 

Seitenanfang

 

4. Die Nachkriegsjahre

Nach dem Krieg formierte sich in Rainrod zunächst eine "Kultur- und Sportgemeinschaft". Die Turnabteilung wurde offiziell am 1. November 1947 mit 51 Mitgliedern wiedergegründet. Nach der Währungsreform im Jahr 1948 startete der junge Verein mit 50 Mark in der Vereinskasse.

Der Turnbetrieb konnte recht bald wieder aufgenommen werden, weil die Turngeräte vor dem Zugriff der Amerikaner versteckt worden waren.In den 50er Jahren gab es zahlreiche sportliche und gesellige Höhepunkte. Regelmäßig fanden Theateraufführungen statt, die überregional Beachtung fanden. Das Sportgelände wurde hergerichtet, und es wurden Turngeräte angeschafft. Zum 40-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1959 wurde die Eintragung in das damals noch beim Amtsgericht Schotten geführte Vereinsregister vorgenommen. Ab diesem Zeitpunkt war der Turnverein ein "e.V.".
Entscheidend für die weitere Entwicklung des Vereins war der Bau des Dorfgemeinschaftshauses in den Jahren 1964 und 1965. Hier standen nun der Saal und ein kleiner Geräteraum für die Zwecke des Vereins zur Verfügung. Auch die Kegelbahn wurde von einer neu gegründeten Kegelabteilung intensiv genutzt. 1969 konnte der Turnverein schließlich sein 50jähriges Bestehen feiern.
Rainröder Turner des Jahres 1951
Aktive und Vorstand im Jahr 1959

 

Seitenanfang

 

5. Differenzierung und Modernisierung der Angebote
In den 70er Jahren wurden die Angebote des Vereins noch breiter angelegt. Mit der Eröffnung des Hallenbades in Nidda war auch der Turnverein mit einem wöchentlichen Schwimmangebot zur Stelle. Nachdem 1977 die gemeinsame Nutzung des Sportgeländes zwischen Sportverein und Turnverein in einem Pachtvertrag mit der Stadt festgeschrieben worden war, wurde 1979 ein Anbau an das bereits bestehende Sportheim des Sportvereins eingeweiht.
Das Sportheim wird gebaut
Neben dem Dorfgemeinschaftshaus war mit dem eigenen Vereinsheim nun das Sportgelände ein wirklich zentraler Punkt für die sportlichen Aktivitäten des Vereins.
War bereits 1966 die erste Gymnastikgruppe gegründet worden (sie hieß damals "Hausfrauengruppe", so kam 1978 eine zweite Gruppe hinzu, in der die jüngeren Frauen Gymnastik betrieben. 1984 wurde die Eltern-Kind-Gruppe gegründet.
Seit 1968 wurden Turnfeste im In- und Ausland besucht. Als besonderes "Souvenir" brachten die Aktiven vom Bundesturnfest in Berlin im Jahr 1987 ein Eichen-Bäumchen mit, das vor dem Dorfgemeinschaftshaus gepflanzt wurde.
Aus einem Ende 1993 durchgeführten Jazz-Dance-Kurs entwickelte sich ein weiteres, festes Angebot, so dass jetzt Gymnastik für Frauen aller Altersgruppen möglich wurde.
1994 wurde das dritte "klassische" Jubiläum gefeiert, das 75jährige Bestehen des Vereins. Aus diesem Anlass wurde die Vereinsgeschichte aufgearbeitet und in ansprechender Form in einem Festbuch zusammengetragen.
Ein weiteres Sportliches Angebot kam im Jahr 1995 mit der Gründung der Badmintonabteilung hinzu. Dank der guten Kooperation mit der Gesamtschule konnten entsprechende Felder in der Schulturnhalle markiert werden, so daß optimale Verhältnisse für den Spielbetrieb geschaffen wurden.
Im Jahr ´98 hat der Turnverein sein Angebot nochmals erweitert. "Walking" wird als neue Trendsportart nun ebenfalls angeboten.
1999 wurde ein Bewegungsangebot für Ältere unter dem Motto "Aktiv älter werden" geschaffen.

 

Seitenanfang

 

6. Das Neue Jahrtausend

 


Der neue Geräteraum
Ein von Architekt Harald Weber geplanter Anbau eines Geräteraumes an das Dorfgemeinschaftshaus sollte in 1998 begonnen werden. Wegen besonderer Änderungswünsche ergaben sich allerdings Verzögerungen, so dass erst verspätet mit dem Bau begonnen werden konnte. Ende 2001 wurde die Maßnahme abgeschlossen und Anfang 2002 die Inbetriebnahme groß gefeiert.
Im neuen Geräteraum können die Turngeräte nun endlich so gelagert werden, dass sie jederzeit einfach zugänglich sind und so das sportlich-turnerische Angebot weiter verbessert werden kann.
 

Seitenanfang

 

7. Ausblick

Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen, die auch in ländlichen Regionen zu beobachten sind (Vereinzelung, zunehmende Zahl älterer Menschen usw.), muss sich auch der Verein weiter entwickeln und seine Angebote entsprechend anpassen.
Der TV 1919 Rainrod e.V. scheint hierfür gut gerüstet.

 

Seitenanfang

 

 

Angebote ] Schlagzeilen ] Wir über uns ] Termine ] Glückwünsche ] Adressen ] Impressum ] Sitemap ]